Virtuelle Exkursionen – drei didaktische Beispiele

Ob Actionbound, interaktive Stadtführungen oder Erzählcafés: Corona hat auch in Sachen Exkursionen die digitale Experimentierfreude Lehrender und Lernender angeregt. Frauke Godat stellt drei spannende Beispiele vor.

Text: Frauke Godat
(Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen –(PerLe))

Beitrag der Universität Kiel

Das Corona-Semester neigt sich dem Ende und sowohl von Studierenden als auch von Lehrenden habe ich dieses Semester öfter gehört, dass „ja Exkursionen oder Studienreisen digital nicht umzusetzen sind.“

Neben einigen Praxisbeispielen an der CAU (z.B. diese virtuelle Museums-Exkursion in der Ethnologie oder der digitale Kurztrip in ein Klimawandel-Seminar nach Kanada) sind mir im Sommersemester 2020 verschiedene Exkursions-Formate in der Erwachsenenbildung begegnet. Ich habe drei didaktische Beispiele ausgewählt, die ich hier kurz als Inspiration und zum Selbst-Ausprobieren vorstellen möchte:

 

  1. Das Handy als Exkursionsführer

Die LernApp Actionbound ermöglicht es, eine digitale Schnitzeljagd im Rahmen von Gestaltungsprinzipien des problemorientierten Lernens zu erstellen. In dieser Anwendung mit Lehramststudierenden in der Biologie vermittelt das Lernen mit Actionbound digitale Kompetenzen auf der einen und die Anwendung von fachlichen Inhalten auf der anderen Seite.

Ein weiteres Beispiel konnte ich selbst im Urlaub in Zürich ausprobieren. Erstellt von einer Master-Studentin der Pädagogik entstand diese lehrreiche Stadtführung zur neueren Stadtgeschichte Zürichs:

Ein Bildungsangebot sowohl für Touristen als auch für Schulklassen. In der LernApp kommen Zeitzeugen in kurzen Videos zu Wort. Einige Beispielvideos finden Sie hier.

 

  1. Videokonferenzen für politische Studienreisen

Der kommerzielle Reiseanbieter Alsharq mit fairem und nachhaltigem Unternehmenskodex hat im Frühjahr/Sommer mit digitalen politischen Studienreisen nach Tunesien, in den Iran und Usbekistan experimentiert. In interaktiven live Interviews, Vorträgen und Stadtführungen per Videokonferenz „reisen“ die Teilnehmenden in Länder der WANA-Region (Westasien und Nordafrika). Teilnehmende lernen so in Videokonferenzen Land und Leute vor Ort aus politischer, wirtschaftlicher und sozialer Perspektive kennen. Ziel dieser Reisen ist unter anderem vorgefertigte Meinungen durch Medien und eigene Stereotypen über diese Reiseländer kritisch zu hinterfragen. Einige Beispielvideos finden Sie in diesem Kanal.

Transfer in die Lehre: mit interaktiven Dialog-Methoden (z.B. Art of Hosting  oder Liberating Structures) und internationalen Partneruniversitäten oder mit Forscherinnen und Forschern aus gemeinsamen Forschungsprojekte lassen sich politische, geographische oder naturwissenschaftliche digitale Exkursionen im Dialog gestalten und so zum Beispiel im dialogischen Erkunden gemeinsame Forschungsfragen in forschungsbasierten Lehrprojekten entwickeln oder testen.

 

  1. Digitale Erzählcafés

Ein Erzählcafé ist eine Form des biografischen Arbeitens, die zum Beispiel in der sozialpädagogischen Praxis, in der Museumspädagogik oder als Format an außerschulischen Lernorten zu finden ist. Die Firma Rohnstock Biografien hat zum 30-jährigen Jubiläum der Deutschen Einheit ein von der Bundesregierung gefördertes Projekt für Digitale Erzählsalons gestartet.

Einige der Veranstaltungen finden Sie bei youtube.

Hier reflektiert die Gründerin Katrin Rohnstock zu Erfahrungen mit Erzählcafés im digitalen Raum.

Zum Originalbeitrag vom 21.08.2020

 

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